Dienstag, 22. November 2011

Das vollkommene Glück



Und schon ist es ein Jahr her, seit Du das Licht der Welt erblickt hast. Ein Jahr gefüllt mit Erinnerungen, die wir nie vergessen werden. Trauer, Hoffnungen, Enttäuschungen, Ängste, Hilflosigkeit, Geduld, viel Geduld und noch mehr Freude!

Ich wünschte Du hättest einen einfacheren Start ins Leben gehabt. Mein Herz schmerzt immer noch, wenn ich an Deine ersten Monate denke, in denen Du um Dein Leben kämpfen musstest. An all die Schläuche die Deinen winzigen Körper bedeckten. An die Schmerzen die Du erleiden musstest. Es tut mir so Leid, dass Du dies alles hast erdulden müssen! Aber vor allem bin ich sehr stolz auf Dich, mein Sohn. Ich bewundere Deine Stärke und Willenskraft, mit denen Du Dich durchgekämpft hast und die Dich immer weiter bringen. Deine Freude am Leben, die niemanden gleichgültig lässt. Dein Lachen, dass so ansteckend ist, dass man nicht lange traurig oder böse bleibt. Ich freue mich über jeden Vortschritt den Du machst. Du bist wunderbar!!!

Es ist erstaunlich, Dich zu beobachten, wie Du die Welt neu entdeckst, seitdem Du Deine Hörgeräte erhalten hast. Auch wenn für uns die Nachricht, dass Du schwerhörig bist, ein kleiner Tiefpunkt war, hast Du uns schnell daran erinnert, dass man auch so glücklich sein kann. Und mit Deinen Geräten kannst Du jetzt endlich auch hören und reden lernen und ein normales Leben führen.

Heute bin ich besonders dankbar, denn vor einem Jahr traute ich mich nicht vorzustellen, dass sich dieses Jahr so schön enden wird. Und dazu kommt noch dass dein Papa und ich heiraten, und wir eine richtige und glückliche Familie werden.

Kann das Leben noch schöner werden? Ich denke nicht. So stelle ich mir das vollkommene Glück vor!

Ich wünsche Dir, dass Du weiterhin so mutig, stark und lebenslustig bist. Dass Du Deine Ziele erreichst und Du dieses Gefühl des Glücklichsein nie vergisst!

Alles Liebe zum Geburtstag, mein Kind!

Deine Mutter, die Dich über alles liebt!!!

Samstag, 21. Mai 2011

28.11.2010


Seit Vorgestern bin ich nun endlich in die Wochenbettabteilung umgezogen. Nach einer Woche Intensivstation bin ich etwas verloren mit dieser neu gewonnener Freiheit. Ich habe seit Tagen auf diesen Moment gewartet doch als ich in mein neues Zimmer trat, sah ich als erstes die Badewanne und der Wickeltisch und realisierte einmal mehr dass ich mich nicht um mein Kind kümmern kann, wie es die anderen Mütter in den Zimmern neben an tun. Am schlimmsten aber sind die Nächte wenn mich das Weinen eines Babys am schlafen hindert. Einerseits bin ich genervt, dass ich wegen einem anderen Baby und nicht meinem nicht schlafen kann und anderseits bin ich eifersüchtig, dass die Mutter nebenan ein Kind bei sich hat und nicht ich!
Von all dem mal abgesehen gefällt es mir doch besser im neuen Zimmer. Ich kann aufstehen, duschen, spazieren gehen, und Basile besuchen wann ich will, und darf auch mehr Besuch empfangen.
Als wir gestern bei Basile waren, fragte uns die Krankenschwester ob wir Basile schon einmal in den Händen gehalten haben. Ich fragte überrascht ob dies denn schon möglich sei und daraufhin durften wir Basile das erste Mal in die Hände nehmen. Es ist schwer zu beschreiben, was ich dabei gefühlt habe. Etwas zwischen Angst ihn zu zerbrechen und ein enormes Glücksgefühl! Als ich ihn so in meinen Händen sah, wurde mir noch mehr bewusst wie klein und zerbrechlich er ist.


Unser erstes Familienfoto habe ich mir zwar anders vorgestellt aber ich finde es ist trotzdem gut gelungen. :)

Dienstag, 29. März 2011

25.11.2010



Heute ist ein positiver Tag. Ich habe es endlich geschafft eine richtige Dusche zu nehmen. Auch wenn die Beweglichkeit mit der Infusion am Arm und der Narbe am Bauch noch limitiert ist, tut es gut und die Stimmung steigt sofort an. Kleinigkeiten die einem selbstverständlich erscheinen, können manchmal eine richtige Herausforderung werden.
Ich hoffe, dass die Ärzte mir heute erlauben aufs Wochenbett zu wechseln und die Intensivstation zu verlassen. Auch wenn es mir hier gut geht und mich die Krankenschwestern langsam kennen, ist es schwierig abhängig zu sein und nicht alleine aufstehen zu können.

Basile ist immer noch stabile. Es gibt erste Anzeichen, dass sich sein Verbindungskanal langsam schließt. Dies kann aber erst durch einen Ultraschall bestätigt werden. Er benötigt kein Antibiotika mehr, erhält aber seit gestern Insulin um seinen zu hohen Blutzuckerspiegel zu senken. Ansonsten ist er schon sehr agil zum Leidwesen der Krankenschwestern, denn er lässt sich nicht gerne manipulieren. So klein und besitzt schon einen starken Charakter. Heute hat er sogar seine Augen aufgemacht!

Diese guten Neuigkeiten helfen uns sehr und wir haben volles Vertrauen ins Schwesternteam und vor allem in unseren kleinen Basile damit es so weiter geht!

Schöner Tag!

Freitag, 4. März 2011

24.11.2010
















Von den letzten zwei Tagen bleiben mir nicht viele Erinnerungen. Nur, dass ich sehr viel geschlafen habe und mich nicht einen Zentimeter im Bett bewegen konnte, wegen den Schmerzen im Unterleib und meinem kraftlosen Körper. Daher habe ich als Kommentare die E-Mails von Ben übersetzt.
Erst heute erlauben mir die Ärzte den ersten Versuch aufzustehen in der Hoffnung, dass ich eine warme Dusche nehmen, und dann endlich Basile besuchen kann, welchen ich bis jetzt nur auf Photos gesehen habe. Dieses Unternehmen kostet mich soviel Energie, dass ich aufgebe und mich mit viel Mühe und Schmerzen nur bis zum zwei Meter entfernten Spülbecken schleppe und mich erschöpft auf den Stuhl sinken lasse. Die Dusche reduziert sich auf einen feuchten Waschlappen ohne Haare waschen. Zu meinem großen Bedauern, denn heute ist ein großer Tag. Wenn meine Blutwerte es erlauben, darf ich im Rollstuhl Basile besuchen. (Ich besaß nur noch 20'000 Thrombozyten gegen normalerweise 150'000-500'000, welche für die Blutgerinnung verantwortlich sind und dadurch ein Verbluten verhindern oder in meinem Fall eben nicht mehr. Daher auch mein Aufstehverbot um durch einen Sturz verursachte innere Blutung zu verhindern)
Endlich ist es soweit. Anfang Nachmittag mache ich mich, von Ben im Rollstuhl gestoßen, auf den Weg Richtung Rea.
Als ich dann plötzlich vor dem Brutkasten mit meinem Sohn drin stehe, fehlen mir die Worte. Der Anblick von diesem kleinen, hilflosen, an unzählige Kabel geschlossenen Geschöpf, ist dermaßen schockierend, dass es mir fast das Herz zerspringt. Warum muss er das alles ertragen? Wieso konnte er nicht noch etwas länger in meinem warmen Bauch bleiben? Aber gleichzeitig breitet sich eine unbeschreibliche Liebe in mir aus und ich werde ruhiger. Mein Baby ist am Leben und es ist das schönste auf der ganzen Welt! Ich bin so stolz auf ihn!